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Juristische Lüste

Es war ein nebliger Tag. Und der erste ihres Studiums.

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Nun war es soweit; all die Jahre des Lernens und des Arbeitens auf dem Gymnasium hatten sich nun ausgezahlt. Seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr war es Carmens großer Wunsch, endlich Jura zu studieren. Mühevoll hatte sie ihren Notenschnitt aufrecht erhalten müssen, um endlich ihr Abitur mit der gewünschten Note zu beenden. Direkt nach ihrem Abschluss hatte sich die die gerade volljährig gewordene Schülerin an einer Universität im Norden Deutschlands beworben und wurde prompt angenommen.

Es war wie ein Stein, der von ihrem Herzen viel. Keine Sorgen mehr, der Schnitt würde nicht mehr reichen, endlich das gewünschte Studium begonnen und endlich das Gefühl von Freiheit, vom Zuhause und von den Eltern wegzukommen.

Die letzten Wochen hatte Carmen mit ihren Eltern beim Umzug verbracht. Es brauchte eine lange Zeit, mit dem kleinen Van des Vaters all ihre Habschaften in ihre neue Wohnung zu bringen. Zusammen mit zwei Mitbewohnern hatte sie eine Bleibe im Zentrum der Stadt gefunden, und bezog nach und nach ihr 10qm-Zimmer.

Es dauerte nicht lange, mit den zwei Mitbewohnern eine zumindest oberflächliche Freundschaft zu knüpfen.

Ben war 22 Jahre alt und studierte Germanistik auf Lehramt. Mit seiner schüchternen, aber zuvorkommenden Art war er Carmen von Anfang an sympathisch.

Eric studierte Maschinenbau. Doch so sah er nicht aus. Vielmehr könnte er ein Sportstudent sein. Seine Haare perfekt gestylt, sein Körper trainiert und sein Style abgestimmt: so stellt man sich keinen Maschinenbaustudenten vor. Seine direkte Art war Carmen befremdlich, doch zusammen mit seinem Auftreten ergab er ein stimmiges Gesamtbild.

Anfangs war Carmen der Gedanke befremdlich, mit zwei Kerlen in einer WG zu wohnen. Doch der günstige Mietpreis und die gute Lage der Wohnung ließen diese Gedanken schnell verfliegen.

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Carmen saß am Fenster des gemeinsamen Wohnzimmers und schaute auf das neblige Tal. Die Bäume waren von einem dicken Schleier, der eher Watte ähnelte umhüllt.

Sie hatte die ersten Einführungsvorlesungen hinter sich gebracht und freute sich auf die ersten Wochen. Zwar kamen ihr die Professoren teilweise fast zu korrekt vor, doch zumindest einige Bekanntschaften hatte sie bereits geschlossen und einen groben Überblick über das Studium erhascht.

Außer am Fenster zu sitzen konnte sie nun nicht viel Tun. Ihr Fernseher stand noch Zuhause im Elternhaus, ihr Laptop hatte in der neuen WG noch keinen Internetzugang. So blieb ihr keine andere Möglichkeit, als sich so den Abend zu vertreiben. Doch der Nebel hatte eine entspannende Wirkung auf sie.

Carmen wurde aus ihren verträumten Gedanken gerissen, als die Wohnungstüre ins Schloss fiel und Ben hereintrat.

Es war bereits nach 22 Uhr und Carmen fragte nach Ben's Tag. Er erzählte und Carmen freute sich über seine Anwesenheit. Nach ihrem Auszug von Zuhause war es ihr immer angenehm, etwas Gesellschaft zu haben. Schließlich war es ein befremdliches Gefühl, nun nicht mehr ständig die Eltern um sich zu haben.

Ben erzählte doch Carmen schweifte mit ihren Gedanken ab; was er erzählte wurde nebensächlich. Sie schaute in seine dunklen Augen, betrachtete sein enges Shirt und seine gelockten Haare.

Zwar hatte sie vor einigen Jahren bereits eine "Beziehung", doch diese hielt nur einige Wochen an und hatte nicht viel mit einer Beziehung zutun. Damals hatten all ihre Freundinnen bereits "Freunde" und sie wollte nicht zur Außenseiterin werden. Doch schnell merkte sie, dass es nicht das war, was sie sich damals erhoffte.

Ben hatte sie schon seit dem Einzug fasziniert. Er hatte eine freundliche, nette und anziehende Ausstrahlung. Gleichzeitig erschien er ihr sehr attraktiv mit seiner südländischen Note; gleichzeitig aber auch gebildet und gereift.

Er erzählte und erzählte. Carmen nickte regelmäßig und versuchte auf seine Gesprächsfetzen einzugehen und möglichst aktiv zu wirken. Doch es fiel ihr sichtlich schwer. Nach einiger Zeit kamen die Beiden auf eher privatere Themen. Ben erzählte von Laura, seiner Exfreundin, die er damals bei seinem Auslandsjahr in Chile kennenlernte. Doch aufgrund ihres Wohnorts am anderen Ende Deutschlands, endete die Fernbeziehung schnell.

Er erzählte, nun Single zu sein und auf die richtige Frau zu warten.

Carmen erzählte auch von ihrer Vergangenheit. Doch ließ sie ihre "Beziehung" aus. Sie sagte, bisher noch keinen Freund zu haben, doch es wäre ihr so auch lieber. Schließlich wolle sie sich nicht auf den Nächstbesten einlassen.

Die Beiden öffneten eine Flasche Wein, die Ben aus dem Kühlschrank geholt hatte und vertieften sich in Gespräche. Mit den Gläsern und steigender Uhrzeit wurde die Stimmung lockerer und die Hürden, die anfangs zwischen den beiden bestanden traten in den Hintergrund.

Sie lachten und alberten über Vergangenes.

Mitlerweile war es schon weit nach Mitternacht und Carmen dachte an ihre Vorlesung am Folgetag, die bereits um zehn Uhr stattfinden sollte.

Sie meinte Ben, dass sie doch am nächsten Tag wieder gemeinsam etwas trinken könnten und ihr Gespräch fortführen sollten.

Ben war dies recht, da er zur gleichen Zeit wie Carmen das Haus verlassen sollte.

Sie umarmten sich kurz zum Abschied, wünschten sich eine gute Nacht und gingen in ihre Zimmer, die fast nebeneinander lagen.

Carmen zog sich ihren Schlafanzug an und kuschelte sich in ihre warme Decke. Als sie versuchte zu schlafen, konnte sie sich Gedanklich nicht von Ben lösen. Ständig musste sie an ihn denken.

Es klopfte an der Türe. Sie wunderte sich, doch öffnete sofort. Ben stand vor ihr. Lediglich mit Shorts bekleidet fragte er, ob er hereinkommen dürfe. Carmen überlegte was er wohl um diese Uhrzeit von ihr wolle doch ließ ihn herein.


author: joebella category: Sie und Er
Juristische Lüste
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